Über 80 Jahre lang war eines der beeindruckendsten Wahrzeichen Nizzas aus dem Stadtbild verschwunden. Eine kostenlose Ausstellung im Nicetoile lässt die legendäre Jetée-Promenade nun zumindest virtuell wieder auferstehen.
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Ich frage mich manchmal, wie viele Geschichten wir übersehen, wenn wir durch eine Stadt laufen. Nicht, weil sie verborgen wären und es einen gewissen Aufwand erfordern würde, sie wieder ans Licht zu holen – sondern weil sie vollständig verschwunden sind.
Genau das trifft auf ein Bauwerk zu, das mich fasziniert, seit ich es zum ersten Mal auf einer alten Postkarte entdeckt habe. Und ich würde wetten, vielen Besuchern meiner Wahlheimat geht es ähnlich. Man sieht diese beeindruckende Silhouette, die so unterschiedliche Baustile miteinander verbindet, und fragt sich unweigerlich: Wo kann ich dieses außergewöhnliche Gebäude besichtigen?
Die Antwort ist leider ernüchternd.
Die Jetée-Promenade existiert seit über achtzig Jahren nicht mehr. Nur historische Fotografien und Postkarten erinnern noch an das einstige Wahrzeichen der Stadt. Von den Konzerten, Bällen, Spielrunden und eleganten Abendgesellschaften ist nichts geblieben. Man kann sich nur noch vorstellen, wie Damen in ihren aufwendigen Kleidern und Herren im Frack über die rund 60 Meter lange Brücke auf den prachtvollen Palast im Meer zugingen – voller Vorfreude auf einen unvergesslichen Abend.
Umso mehr freue ich mich über die Ausstellung „Nissa la Bella“, die im Sommer 2026 im Einkaufszentrum Nicetoile zu sehen ist. Mithilfe einer Augmented-Reality-Erfahrung wird die Jetée-Promenade zumindest für einen Moment wieder lebendig. Diese besondere Installation ist allerdings nur bis zum 9. August zu erleben, während die Ausstellung selbst noch bis zum 5. September geöffnet bleibt. Doch „Nissa la Bella“ erzählt weit mehr als nur die Geschichte dieses verschwundenen Bauwerks. Sie nimmt ihre Besucher mit auf eine Reise durch die Belle Époque und zeigt, wie Orte wie die Promenade des Anglais, der Jardin Albert Ier oder die Avenue Jean Médecin das Bild des mondänen Nizza geprägt haben.
Historische Fotografien, Illustrationen, Archivdokumente und originale Objekte zeichnen nach, wie sich Nizza von einer vergleichsweise kleinen Küstenstadt zu einem der berühmtesten Winterkurorte Europas entwickelte.
Dabei geht es nicht nur um Architektur. Die Ausstellung zeigt auch, wie internationale Gäste, luxuriöse Hotels und die Belle Époque die Stadt nachhaltig veränderten. Gleichzeitig schlägt sie den Bogen bis in die Gegenwart: Seit 2021 gehört Nizza unter dem Titel „Nice, ville de la villégiature d’hiver de Riviera“ zum UNESCO-Welterbe.
Die Jetée-Promenade kehrt virtuell zurück
Für mich ist die virtuelle Rekonstruktion der Jetée-Promenade ohne Zweifel das Highlight der Ausstellung.
Gemeinsam mit der Villa Masséna entwickelte das Studio HoloForge Interactive eine beeindruckende Augmented-Reality-Erfahrung auf Grundlage historischer Fotografien, Pläne und weiterer zeitgenössischer Quellen. Dadurch erhält man einen Eindruck davon, wie dieses außergewöhnliche Bauwerk einst aussah und welche Atmosphäre dort geherrscht haben muss.
Gerade weil heute oberhalb der Wasseroberfläche nichts mehr von der Jetée-Promenade erhalten ist, macht diese Rekonstruktion besonders deutlich, welche Bedeutung sie einst für das Stadtbild Nizzas hatte.
Wissenschaftlich begleitet
Die Ausstellung entstand in Zusammenarbeit mit mehreren kulturellen Einrichtungen der Stadt, darunter dem Centre du Patrimoine, der Villa Masséna – Musée d’Art et d’Histoire sowie dem Centre Nice Patrimoine Mondial. Sie lieferten historische Quellen und wissenschaftliche Expertise und sorgen dafür, dass die Ausstellung weit über eine klassische Fotopräsentation hinausgeht.
Praktische Informationen
Zeitraum
11. Juli – 5. September 2026
Ort
Nicetoile
Avenue Jean Médecin, Nice
Öffnungszeiten der Augmented-Reality-Erfahrung
11:00–18:30 Uhr (11. Juli bis 9. August 2026)
Sprachen
🇫🇷 Französisch
🇬🇧 Englisch
Eintritt
Kostenlos
📌 Hinweis: Die Ausstellung läuft bis zum 5. September 2026. Die virtuelle Rekonstruktion der Jetée-Promenade mittels Augmented Reality ist jedoch nur vom 11. Juli bis einschließlich 9. August verfügbar.
Lohnt sich ein Besuch?
Wenn du dich für die Geschichte Nizzas interessierst, lohnt sich ein Abstecher auf jeden Fall. Die Ausstellung verbindet historische Hintergründe mit modernen digitalen Elementen und macht einige der prägendsten Orte der Stadt auf eine ganz neue Weise erlebbar.
Sie ist zwar nicht besonders groß – für den Rundgang solltest du etwa 30 bis 45 Minuten einplanen –, dafür ist sie liebevoll gestaltet und bietet einige spannende Einblicke in die Entwicklung Nizzas.
Falls du anschließend noch tiefer in die Geschichte der Stadt eintauchen möchtest, begleite mich doch auf meiner Free Walking Tour durch Nizza. Viele der Orte, die in der Ausstellung vorgestellt werden, begegnen uns auch dort – allerdings direkt vor Ort und eingebettet in ihre historischen Zusammenhänge.
Für mich bleibt die virtuelle Rekonstruktion der Jetée-Promenade das eigentliche Highlight. Wer meine Beiträge über die Geschichte Nizzas kennt, weiß, welche Faszination dieses Bauwerk auf mich ausübt. Umso schöner ist es, dass man ihm nun zumindest für einen kurzen Moment wieder begegnen kann.
Die Ausstellung endet hier –
die Geschichte geht draußen weiter.
Wenn du Nizza nicht nur sehen, sondern auch verstehen möchtest, begleite mich auf meiner Free Walking Tour durch die Altstadt.